Ursula Wendorff-Weidt
Die Malerin und Graphikerin Ursula Wendorff-Weidt (26. August 1919 - 23. September 2000) lebte von 1958 mit ihrem Mann, dem Tänzer und Choreographen Jean Weidt, bis zu ihrem Tod in Rangsdorf.
Sie gehörte zu den bedeutendsten Buchillustrator:innen der DDR. Ihren ersten Zeichenunterricht erhielt sie zwischen 1937 und 1943 bei Otto Nagel, einem der wichtigsten proletarisch-revolutionären Künstler. An der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee (heute: weißensee kunsthochschule berlin) studierte sie bei so namhaften Lehrern wie Eva Schwimmer, Werner Klemke und Ernst Vogenauer.
Sie illustrierte Werke der Weltliteratur (Balzac, Maupassant, Gogol, Lermontow, Turgeniew, Gorki, Brecht) für den Aufbau-Verlag und für Rütten & Loening. Eingeprägt haben sich ihre Zeichnungen für Romane von Theodor Fontane. Zu finden sind ihre Illustrationen auch in vielen Kinder- und Schulbüchern aus der DDR-Zeit. Freie druckgraphische Arbeiten (Radierungen, Holzstiche, Lithographien) entstanden parallel. Mitte der 1970er Jahre entdeckte sie mit der Hinwendung zur Aquarellmalerei die märkische Landschaft, Fischland und den Darß für sich. Die Beschäftigung mit der Natur und ihren jahreszeitlichen Prägungen war bis zuletzt Schwerpunkt ihres Schaffens. Ein weiteres Thema, dem ihr künstlerisches Interesse galt, war dem Tanz gewidmet. Viele ihrer Zeichnungen entstanden im Ballettsaal der Komischen Oper in Berlin, dem Ort des Wirkens von Jean Weidt.
Das Wohnhaus in der Puschkinstraße 8, in dem die Söhne Michael und Andreas aufwuchsen, war ein von der Kunst geprägtes offenes Haus. Häufige Gäste waren u. a. die Solotänzer der Komischen Oper Tom Schilling und Jack Theiss. Zusammen mit Jean Weidt gehörte Ursula Wendorff-Weidt in Rangsdorf zu einem Kreis von Künstlern, der das kulturelle Leben im Ort von den 1960er bis in die 1980er Jahre beeinflusste. Die Bildhauerin Lieselotte Dankworth gehörte dazu, der Maler Hermann Hensel, die Schriftstellerin Eva Lippold, der Bildhauer und Kunstwissenschaftler Cay Brockdorff, der Schriftsteller Erich Rackwitz sowie die Tänzerin Irene Rackwitz.
Seit Gründung der GEDOK (Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfördernden e.V.) 1994 war sie als Mitglied dem brandenburgischen Landesverband bis zu ihrem Tod eng verbunden.
Gerlinde Förster
© Foto, ca. 1972: Michael Weidt



